Realistic_heart

Beziehungen – Teil 2

Was ist das denn für ein Bild? – Das ist ein realistisches menschliches Herz. So wie ich im ersten Artikel zur Beziehungsanarchie eine stilisierte Form als Bild benutzt habe, so werden Artikel und Bild jetzt realisitscher. Aber das nur am Rande.

Eine meiner liebsten Sprüche:

„Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab“.

So extrem ist es zum Glück nicht. Ich könnte jetzt schreiben, dass ich über den Artikel zur Beziehungsanarchie viel nachgedacht habe. Aber das würde den Punkt verfehlen. Nachgedacht hatte ich vorher schon. Jetzt habe ich nachgefühlt.

Menschliche Verhaltensweisen nur von der rationalen Seite zu betrachten, greift zu kurz. Wenn das menschliche Wesen rein rational wäre, gäbe es wohl keinen Krieg – aber auch kein Mitgefühl und keine Liebe.

So hat mich ein Kommentar unter dem alten Artikel auch darauf aufmerksam gemacht, dass dieser gar nicht viel mit dem „Bewusstsein“ im Titel dieses Blogs zu tun hat. Zum Bewusstsein gehören neben rein rationalen Schlussfolgerungen auch die Achtsamkeit, seine Gefühle zu spüren und sie einzuordnen. Ich habe in letzter Zeit viel meditiert und war oft alleine, perfekte Voraussetzungen zum Nachfühlen also.

Was ist denn jetzt dabei herausgekommen?

Erstens etwas ganz Simples: Mehrere Menschen zu lieben, im welcher Form auch immer, macht Arbeit. Jede*r sucht nach Anerkennung und die kostet Zeit – Zeit ist aber begrenzt. Bevor man sich also auf mehrere Verhältnisse einlässt, sollte man schauen, welche Verpflichtungen, seien sie angenehm oder nicht, man sonst noch hat. Zwischenmenschliche Beziehungen lassen sich in den seltensten Fällen auf später verschieben, wie eine Rechnung, die ich erst in zwei Wochen bezahlen muss.

Und noch etwas, das ich lange unterschätzt habe: Plane dir Zeit für dich ein! Du kannst nur für andere da sein, wenn du auch für dich da bist.

Das ist doch nicht alles, oder?

Nein, es ist mir noch etwas aufgefallen. Meine Annahme, jede*r sei für sich selbst und seine/ihre eigenen Gefühle verantwortlich, trifft nicht zu. Wenn man selbst ein Mensch ist, der mehrere Menschen lieben kann (oder das zumindest von sich denkt) und dann eine*n Partner*in trifft, der/die damit noch keine Berührungspunkte hatte, wird es kompliziert. Menschen neigen in Beziehungen dazu, sich zu überschätzen und aus Zuneigung so einiges mitzumachen. Ein „Ich habs dir ja gesagt“ zählt also nicht unbedingt.

Das heißt nicht, dass man den anderen bevormunden muss. Aber wenn die Vorstellung einer Beziehung abseits der Norm bei der anderen Person gar keine Zweifel auslöst, sollte man schon etwas kritischer sein.

Bist du jetzt wieder monogam?

Nein. Aber ich werde darauf achten, mich nicht zu überfordern. Das passiert gerade Menschen, die sich über alles Mögliche Gedanken machen, wie mir, zu schnell.

One thought on “Beziehungen – Teil 2

  1. Karo

    Ich denke nach wie vor, dass jeder für sich selbst und seine Gefühle verantwortlich ist. Verantwortlich meint in diesem Zusammenhang nicht „Schuld“ (wie auch? Bin ich „Schuld“ daran, wenn ich jemanden mag? Ist der Andere „Schuld“, dass ich ihn mag? Das trifft nur bei größerer Manipulation zu und darum geht es hier ja nicht.), es meint nur, dass man verpflichtet ist, sich um sich selbst und seine Gefühle zu kümmern, sie zu verstehen und dann auf rationaler Ebene zu entscheiden.
    Wenn man als Beziehungsanarchist also auf einen Monomenschen stößt, der sich auf dieses neue Konzept einlässt, ist man nicht direkt für den Mono und seine Gefühle verantwortlich, es sei denn, man versucht ihn so zu beeinflussen, dass er besser passt, was Manipulation wäre und somit sch****. Das einzige was man bieten kann ist Transparanz, Offenheit, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Berechenbarkeit, Dinge also, die in jeder Beziehung unabdingbar sind. Die dringenden Fragen, die sich der BA stellen muss, sind: wie geht es mir in dieser Situation? Bin ich eifersüchtig, wenn ja auf was/ warum? In was genau verliebe ich mich? Wenn man dann also herausfindet, dass man den Mono so mag, wie er ist, aber dieser Mensch einfach Mono ist, dann ist die rationale, sich selbst und seinen Gefühlen treue Entscheidung leider die, diesen Menschen gehen zu lassen. Sich noch den Kopf des Partners zu zerbrechen ist anstrengend und unnötig. Und genau genommen ist es auch eine Bevormundung, denn du kannst nicht besser wissen, wie sich eine Person fühlt, als die Person selbst.

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