Beziehungen – Teil 4 – Beziehungsstatus?

„Bist du jetzt monogam?“

Seit meinem letzten Artikel über Beziehungen ist einige Zeit vergangen. Neue Konstellationen haben sich ergeben und neue Probleme sind aufgetaucht. Das ist ganz normal und wenn man sich ernsthaft mit dem Thema Beziehungen beschäftigt, ist man wohl nie damit am Ende, Neues zu entdecken. Aber eines zu meinem Beziehungsstatus vorweg: Eine monogame Beziehung führe ich nicht. Und ich gehe sogar so weit, zu sagen, dass das in diesem Leben vermutlich auch nicht mehr passieren wird.

Beziehungsstatus: Team

Im ersten Artikel hatte ich beschrieben, warum man sich freuen kann, wenn der Partner bzw. die Partnerin auch mit anderen Menschen eine Art der Beziehung hat (sexuell oder emotional) und trotzdem (oder gerade deswegen) zwischen den Partner*innen Vertrauen besteht. Ich würde mich nicht mehr, wie damals, als Beziehungsanarchisten bezeichnen, aber die Grundeinstellungen teile ich immer noch. So wie die, dass Eifersucht überwunden werden kann.

Dennoch ist es natürlich nicht für jeden Menschen so einfach, wenn der Partner/die Partnerin was mit jemand anderem anfängt. Wenn ich derjenige bin, der etwas außerhalb einer „Beziehung“ hat, ergibt sich für mich aber ein Problem: Sobald mir ein Mensch etwas bedeutet, will ich verhindern, dass er/sie sie negative Emotionen verspürt. Was aber, wenn man nur die Wahl zwischen zwei verschiedenen negativen Emotionen hat: den eigenen (weil ich etwas nicht darf) und denen des Partners (Eifersucht)?

Ich bin in solchen Situationen mir selbst treu geblieben, denn: Mein*e Partner*in hat nichts davon, wenn ich leide. Das führt allerdings zu einer Situation, in der der/die Andere kein Mitspracherecht mehr hat. Vereinfacht gesagt gibt es nur zwei Situationen, wenn der eine Partner etwas außerhalb der „Beziehung“ haben will:

  • Vetorecht: Der Partner bzw. die Partnerin kann mir verbieten, etwas mit jemand anderem zu haben. Das geht in die Richtung monogame Beziehung, wobei auch manche offene Beziehungen so laufen.
  • Du machst ja eh, was du willst: Die Partnerin hat kein Mitspracherecht und wird vor vollendete Tatsachen gestellt.

Das ist hochgradig unbefriedigend – es muss einen Mittelweg geben, zwischen den beiden Extremen Vetorecht und Du machst ja eh, was du willst. Dieser Mittelweg könnte das Team sein. Ein Team bespricht, wenn der eine Partner etwas mit jemand anderem haben will oder sogar etwas für eine andere Person empfindet. Es wird jedes mal gemeinsam neu abgewogen, welches Bedürfnis (Freiheit oder Beständigkeit) größer ist. Das ist der Beziehungsstatus, den ich seit einigen Wochen ausprobiere.

Probleme

Schön und gut, aber: Was ist, wenn der Partner bzw. die Partnerin noch gar keine Erfahrung im weiten Feld der offenen Beziehungen hat? Und die Ansichten des anderen vielleicht respektiert, aber für sich selbst gar nicht als nötig erachtet? Ist es überhaupt eine Entscheidung, ob man – allgemein formuliert – Offenheit in menschlichen Beziehungen leben kann oder nicht? Oder ist es „angeboren“, welche Beziehungsform uns glücklich macht und wir können nur sehr begrenzt darauf Einfluss nehmen? Und wenn es angeboren ist: Warum gibt es bei Facebook meine Beziehungsform nicht zur Auswahl?

Ich will mich nicht zu sehr in Theorien verstricken. Ich werde jemandem, der im Moment nicht dieses Beziehungsmodell lebt (und nicht nur respektiert) immer einen Stich versetzen, wenn ich mit anderen Personen schlafe. Meine Entscheidungsfindung ist dadurch aber automatisch nicht frei – natürlich beeinflusst mich, ob ich mit einer Handlung jemand anderem weh tue oder nicht.

Außerdem: Eine Beziehung ist normalerweise implizit ohne zeitliche Begrenzung angelegt (vom schrecklichen Wort „Lebensabschnittsgefährt*in“ mal abgesehen 🙂 – aber wenn man einmal das buddhistische Daseinsmerkmal der Unbeständigkeit erfasst hat, wie kann man dann überhaupt an etwas ohne Ende glauben? (zur Unbeständigkeit allgemein werde ich demnächst auch noch was schreiben)

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