Beziehungsanarchie? WTF?

Wir werden jeden Tag mit unseren zwischenmenschlichen Beziehungen konfrontiert. Ob man die Großeltern anruft, mit Freunden ein Bier trinkt oder sich mit dem Partner oder der Partnerin streitet – unser Verhalten in Situationen beruht immer auch auf der Beziehung, die man zu einem Menschen hat und was man von dieser erwartet. Man könnte fast behaupten, wir sind in unterschiedlichen Beziehungen unterschiedliche Menschen: Wenn die beste Freundin eine nette Bekanntschaft gemacht hat, freuen wir uns für sie – wenn allerdings unser Partner eine nette Bekanntschaft des anderen Geschlechts (angenommen eine heterosexuelle Partnerschaft) macht, finden wir das meist nicht so toll.

Wie sich andere Menschen uns gegenüber verhalten und von den Beziehungen, die wir zu Menschen pflegen, auch davon hängt letztendlich unser Glück ab. Wenn ich von Glück spreche, meine ich damit übrigens nicht das Glück in Glücksspiel (engl. Luck), sondern das in Glückseligkeit (engl. Happiness).

Wir denken viel darüber nach, was wir an Beziehungen verändern können, um das Glück zu maximieren – meist aber nur über den Inhalt der Beziehung: „Warum verbringt sie so viel Zeit mit ihrem besten Freund?“. Mit der Form von Beziehungen befassen wir uns normalerweise nicht so gern. Wer fragt sich schon gerne „Ist ihre Beziehung zu ihrem besten Freund eine romantische?“ Das passt nicht in unser Weltbild. Und sich darüber zu freuen, wenn es so ist, schon gleich gar nicht.

Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der alles hinterfragt. So hab ich mir auch zu Beziehungen ein paar Gedanken gemacht.

Eifersucht

Schon lange hatte ich mich gefragt: Wem nützt Eifersucht? Fangen wir mal mit einer Definition an:

[Eifersucht] beschreibt eine schmerzhafte Emotion, die man bei einer nicht oder nur in ungenügendem Maße erhaltenen Anerkennung (Aufmerksamkeit, Liebe, Respekt oder Zuneigung) seitens einer hoch geschätzten – vor allem geliebten – Bezugsperson gegenüber einer damit tatsächlich oder vermeintlich stärker begünstigten verspürt, von der man (umgangssprachlich) „ausgestochen“ wird. (Wikipedia)

Eifersucht ist also die Angst, jemanden durch eine*n Dritte*n zu verlieren. Kann Eifersucht das verhindern? Ich denke nicht. Wenn man dem Partner zum Beispiel verbietet, die Ex-Freundin zu sehen, wird das der Beziehung eher schaden. Der Partner wird sich in seiner Freiheit eingeschränkt fühlen und irgendwann eine schmerzhafte Entscheidung zwischen der Partnerschaft und der Freundschaft treffen müssen.

Wenn man also der Beziehung (also dem Partner/der Partnerin und sich selbst) etwas Gutes tun will, sollte man vermeiden, dass einer von beiden Entscheidungen treffen muss. Um bei dem Beispiel zu bleiben: Dem Partner erlauben, die Ex-Freundin zu sehen, weil man ihm vertraut, dass er einen nicht betrügt.

„Eifersucht zeigt doch, dass mir mein*e Partner*in etwas bedeutet!“

Diesen Einwand höre ich immer wieder. In erster Linie zeigt Eifersucht aber, dass du dir selbst mehr bedeutest als die Partnerschaft. Denn die Angst, die Person zu verlieren ist größer, als das Vertrauen, dass du ihr schenkst. Meines Erachtens keine gute Grundlage für eine Beziehung.

Natürlich ist Eifersucht kein Gefühl, das man einfach so „wegdenken“ könnte. Auch ich verspüre manchmal Eifersucht, den Unterschied macht aber der Umgang damit. Das kann heißen, mit dem Partner darüber zu reden, dass man selbst eifersüchtig ist – ohne ihn/sie in seiner Freiheit einzuschränken. Letztendlich mit dem Partner gemeinsam daran arbeiten, Vertrauen aufzubauen, damit die Gründe für Eifersucht wegfallen. Kommunikation ist der Schlüssel!

Polyamory

In der Definition oben wird vorausgesetzt, dass man selbst von der anderen Person ersetzt wird. Das hat bei näherem Betrachten noch nie mit meinem Verständnis von Liebe harmoniert. Liebe ist nicht begrenzt. Tatsächlich weiß das auch jeder: Wir lieben Eltern, Geschwister, Freunde… und eben auch Partner. Liebe ist unerschöpflich und wird größer, je mehr Menschen wir sie schenken. Warum sollte man also Angst haben, dass der Partner oder die Partnerin jemand anderen auch liebt?

Für mich war ab diesem Zeitpunkt klar:

Für eine Person etwas zu empfinden, heißt nicht, für eine andere Person weniger zu empfinden.

Partnerschaftliche Liebe zu mehreren Menschen zu empfinden nennt man Polyamory. Weiter unten gibt es einen wunderbaren Comic zu den verschiedenen Ausprägungen von Partnerschaften.

Die Vorstellung, mehrere Menschen lieben zu können, wirft bei vielen Menschen erst mal eine Menge Fragen auf. Die wunderbare MissMindf0ck ist auf ihrem Blog hirngefickt schon sehr gut auf die gängigsten Vorurteile zum Thema Polyamory eingegangen. Eine Aussage, die mir ständig begegnet, ist:

„Das macht ja alles Sinn, aber ich brauche das gar nicht. Mir reicht ein Partner und ich empfinde dann auch nur etwas für diesen einen Partner.“

Wenn das so ist: Herzlichen Glückwunsch. Menschen sind (zum Glück) unterschiedlich und manch eine*r wird sein/ihr Leben lang mit einer Person glücklich sein. Wichtig sind aber zwei Dinge:

  • Du weißt nicht, ob es in 2, 5 oder 10 Jahren noch genauso sein wird. Das einzig Konstante an Menschen ist die Unbeständigkeit. Das hört sich jetzt sehr pessimistisch an, ich werde über Unbeständigkeit auch noch einen Artikel schreiben 🙂
  • Ich gehe davon aus, dass wir in einer Partnerschaft nur das Beste für den Partner/die Partnerin wollen. Wenn ich selbst nur eine Person liebe, mein*e Partner*in aber mehrere – sollte ich mich dann nicht für sie/ihn freuen? Das heißt ja, dass mein*e Partner*in sehr viel Liebe geben kann. Wie oben beschrieben heißt das auch gerade nicht, dass er/sie mich selbst weniger liebt.

Beziehungsanarchie

Auch hier war für mich noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich störte mich immer noch an der scharfen Abgrenzung der Begrifflichkeiten.

  • Wann ist man in einer Beziehung, wann Friends with benefits?
  • Ist Alice oder Bob mein*e beste*r Freund*in?
  • Bin ich jetzt polyamor, will ich eine offene Beziehung oder finde ich morgen meine Traumfrau/meinen Traummann?

Für mich war diese Einteilung in höchstem Maße unbefriedigend. Freunschaften werden zu Beziehungen, monogame Menschen zu polygamen und anders herum, was heute fest ist kann morgen Geschichte sein. Also beschloss ich, diese (meiner Meinung nach willkürlichen) Einteilungen für mich und für den Moment aufzuheben und bezeichne mich seitdem als Beziehungsanarchist.

Das heißt nicht, dass ich nicht in Beziehungen sein oder mich nicht „binden“ will oder kann – im Gegenteil, jeder Mensch befindet sich ständig in Beziehungen und wir binden uns an so viele Dinge. Es kommt nur auf die Sichtweise an: Alles ist richtig, solang sich alle Beteiligten gut dabei fühlen. Wie so oft ist auch hier Kommunikation der Schlüssel zu erfüllenden zwischenmenschlichen Beziehungen.

„Du willst doch nur Sex, ohne dich rechtfertigen zu müssen.“

Auch das höre ich oft. Sex (oder allgemeiner: körperliche Nähe) ist für eine romantische Art von Beziehung unerlässlich – zumindest für mich. Aber Sex kann auch einfach Spaß machen. Beides (und alles dazwischen) ist in Ordnung! Wenn alle Beteiligten sich gut damit fühlen, gibt es keinen Grund, sich schlecht zu fühlen. Wichtig ist es, von vornherein die eigenen Gefühle zuzulassen und sie dem Anderen zu offenbaren. Nur so können Missverständnisse vermieden werden.

Fazit

Ich suche nicht nach Sicherheit im Wort „Partnerschaft“. Dort findet man es nicht und auch ich bin schon viel zu oft enttäuscht worden. Sicherheit findet man (oder besser: ich) nur in einem Menschen und dem Vertrauen, das sich gegenseitig entgegengebracht wird.

Ich hab (natürlich) nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen und was für mich funktioniert, kann sich für jemand anderen ganz anders anfühlen. Deswegen bin ich gespannt auf eure Gedanken, Kritik und Erfahrungsberichte!

15 thoughts on “Beziehungsanarchie? WTF?

  1. Gregor

    Was ich beim Thema Eifersucht hilfreich finde ist Folgendes:
    Viele hadern mit dem Gefühl, weil sie es als irrational und unangemessen bewerten, aber davon geht das Gefühl nicht weg. Vielmehr steigt das Unwohlsein, da man es einfach nicht schafft, sich von so etwas Lästigem zu distanzieren. Betrachtet man es aber aus evolutionärer Sicht kann man erkennen, dass es einen Zweck erfüllt:
    Man sieht eine intime Beziehung in Gefahr (begründet oder vielleicht unbegründet) und damit auch die potentiellen Fortpflanzungschancen, oder das für eigenen Überleben hilfreiche Zusammenleben mit anderen. Eifersucht ist eine manchmal hypersensible Alarmglocke für solche Situationen.
    Allein das Anerkennen dieser konstruktiven Funktion hilft mir meinen Frieden mit der Eifersucht zu schließen 🙂

  2. LIEBER ZWEISAM

    Hallihallo 🙂
    Ich bin über die Vegan Hamburg Fb-Seite zufällig auf deinen Artikel gestoßen. Ich kann deinem Gedankengang gut folgen…. Für mich persönlich wäre Polygamie aber keine Option. Allerdings habe ich mir schon mal Gedanken zu dem Thema gemacht (und möchte gerne meinen Senf dazu abgeben 😛 ).
    Ich glaube, dass man in jegliche Art von Beziehung neben viel Liebe auch viel Energie steckt, da einem diese Menschen so wahnsinnig viel bedeuten. Und sie geben wiederum genaus so viel zurück, hoffen wir zu mindest insgeheim. Wenn ich nun in einer Partnerschaft bin und meinen Freund/in voll und ganz akzeptiere und respektiere, gibt es ihm/ihr schlussendlich das Gefühl von Sicherheit. Irgendwo bin ich eine Konstante, ob ich will oder nicht.
    Habe ich nun mehrere Partner, so habe ich mehrere Konstanten, aber ich (als Konstante) teile mich. Ich habe auch nicht unendlich viel Energie, um oft für mehrere Menschen „richtig present“ zu sein. Gleichzeitig können meine Partner es nicht für mich sein. Ich bin involviert und involviere, aber nie voll & ganz. Dabei gibt es eine Angst in jedem Menschen allein gelassen zu werden. Wenn es immer andere gibt, dann gibt es Zeiten, da bin ich alleine bzw. jemand drückt kurz auf „Pause“ und dann kann es weitergehen. Deshalb ist Eifersucht etwas gesundes, weil sie uns zeigt, dass wir Angst haben verlassen zu werden. Jeder kennt sie und jeder hat sie. Natürlich muss man wissen damit umzugehen, da stimme ich dir 100%ig zu. Wenn wir diese Angst nicht ernst nehmen und uns einreden, dass eine Unbeständigkeit in Ordnung ist, dann werden Beziehungen weniger intensiv. Denn dann sind sie auch weniger konstant. Und deshalb nennen wir sie doch eigentlich Partnerschaft, oder nicht? Ein Zusammenhalten von Partnern. Ich will den anderen nicht besitzen oder kontrollieren, Freiräume sind sehr wichtig, aber ich will auch das Gefühl haben, dass der andere mich braucht. Das wir ersetzbar sind wissen wir eigentlich, aber man muss es meiner Meinung nach nicht täglich erleben.
    Ich glaube, wenn meine Partnerschaft verteilt ist, dann bin auch ich geteilt.

    Aber schlussendlich:
    Jeder sollte tun & lassen was ihn und andere glücklich macht. 🙂

    Liebste Grüße

  3. Ambrosi

    Hallo Flo!

    Ich bin vor kurzem auf deinen Blog gestoßen und natürlich direkt auf den ersten Eintrag deiner Startseite, „Beziehungsanarchie? WTF?“. In der Rubrik „Über mich“, habe ich gelesen, dass es im Blog auch um das Bewusstsein gehen soll. Leider kann ich davon in deinem Beitrag zu „Beziehungsanarchie? WTF?“, nicht viel erkennen.

    Der Text ist nahezu gänzlich auf den Verstand aufgebaut. Es gibt ja Verstandesdenken, als Denkfunktion. Zum Beispiel, wenn man organisiert oder etwas programmiert, sind das normale alltägliche Denkvorgänge. Und es gibt den verselbständigten Verstand, der zum Beispiel im inneren Dialog die ganze Zeit abläuft. Daran kann man den Verstand sehen. Bei Bewusstheit ist es eine wichtige Sache, dass man anfängt den Verstand in seiner Aktivität zu beobachten. Dabei merkt man, dass der innere Dialog pausenlos abläuft. Diese pausenlos, ablaufenden Dialoge dienen verschiedenen Zwecken und leider auch vorallem, sich selber etwas vorzumachen. Der Verstand ist der größte Feind von Bewusstwerdung, weil der Verstand einen an der Nase herum führt und der Verstand ist die Instanz der Gesellschaft. Verstandesmenschen erkennt man daran, dass die eben versuchen alles,
    alle Fragen des Lebens und auch sie selber betreffende, persönliche Dinge mit dem Verstand zu beantworten und ihre Probleme wälzen. Denken, denken, denken… Sie ziehen vergleiche zu Büchern, Lehren, Definitionen und verheddern sich dann komplett. Viele identifizieren sich mit irgendeiner Ideologie. Verstand ist letztlich eine künstliche Identität. Und das sehe ich in deinem Text.

    Während Bewusstsein nichts anderes als das Zusammenwirken von Beobachter und Beobachtetem ist. Wenn jemand mit seiner Umwelt zu tun hat, ist das Bewusstsein aktiv. Das nimmt alles wahr, einschließlich dem eigenen Körper, die eigenen Gedanken und das, was um einen herum vorgeht. Das ist ganz wichtig. Das ist wie eine Kamera. Die zeichnet alles auf, ist komplett neutral und nimmt einfach nur wahr. So kann man das Bewusstsein beschreiben.

    Natürlich ist es allein deine Sache, wie du dein Sexleben gestaltest. Dennoch denke ich, dass du dir das so zusammengereimt hast, weil du mal sehr stark verletzt wurdest oder irgendetwas anderes vorgefallen ist, was dich emotional sehr bewegt/beeinflusst hat. Muss nichtmal eine schmerzhafte Erfahrung gewesen sein. Ich denke auch nicht, dass du damit wirkliche Glückseligkeit finden wirst. Zudem musst du einen Partner finden, der diese Ansicht komplett mit dir teilt, denn sonst gibt es zwangsläufig Probleme und du verletzt deinen Partner. Und wer, der seinen Partner wirklich liebt, verletzt den schon gerne? Man verzichtet doch dann gerne auf die anderen Liebeleien, um seinen Partner nicht zu verletzen.

    Ist es denn so schlimm, nur mit seinem Partner Sex zu haben und mit niemand anderem sonst?
    Ist es nicht auch Glückseligkeit sich nur seinem Partner völlig hinzugeben, ihm zu vertrauen und zu lieben, wie keinen anderen?
    Sex nur mit ihm zu haben und es zu etwas Besonderem machen, weil man eben Sex nur mit seinem Partner hat?

    Du bist noch ziemlich jung und momentan ist das dein Ideal. Ich kann auch verstehen, dass du als junger Mann gerne und viel Sex haben möchtest. Auch wenn es dir zum jetzigen Zeitpunkt eine Art Schutz bietet, kann es sein, dass es dir dennoch größere Probleme bereiten wird, als es eine monogame Partnerschaft würde, sollte es jemals zu einer Beziehung kommen, wo dein Partner nicht ganz damit einverstanden ist.

    Ich finde es toll, dass du deinen Lebensausdruck mit uns Lesern teilst und ich wünsche dir alles Gute, für deinen weiteren Lebensweg!

    Beste Grüße

    Die Ambrosi

  4. Anonym

    Eine sehr interessante Meinung, die ich von einem Freund dazu bekommen habe:

    „for me personally i highly value loyalty, and when im with someone l like to dedicate my all to them. because i would love that person. they are mine and i am theres sort of thing. if i thought that another guy was making a play on the person im with, i would be straight into there and make sure he knows that she is mine. and i wont give her up without a fight, because i love her. but then if i also knew my girl was out with another guy, i think i would be shattered emotionally. i definitely think i feel these abit stronger then the average australian does. and cheating still happens over here. but i like to think thats the general jist of it. and to not want a relationship is a completely foreign concept to me. i find there to be something so incredibly beautiful about relationship. when u can implicitly trust someone. and just want to be with them. i think that is so wonderful i dont really understand why people would choose to go the other way. keep in mind none of this is meant to be offensive. this is just how i perceive life. im more then happy to admit its just how i think and i may be wrong in the grand scheme of things. but thats how i feel about the situation. also when im with someone and i can feel like that. i feel safe, secure, i know i am something of worth and that i contribute to the whole. it gives my life abit more meaning and thats something i find i search for quite heavily.“

    Egal für welche Lebensform man sich entscheidet, wichtig ist, dass du damit glücklich bist!
    Ob es allen damit gut geht, halte ich auch für fraglich…

  5. диана

    Armes Ding. An dem Text merkt man, dass du wirklich schon viel zu oft enttäuscht worden bist. Ich wünsche dir eine gute Besserung!

    1. blumenauseis

      Puh, da schüttelt sich’s mir.

      Diese ätzende Überheblichkeit so vieler Monos und ihr angebliches Mitgefühl, über dass sie sich besser fühlen und aufwerten können, nachdem sie sich (wieder mal) für irgendwen „aufgeopfert“ oder „hingegeben“ haben, hängt mir zum Hals raus.
      Selbst wenn sein häufiges verletzt-worden-sein der Grund wäre: Es ist doch nur gesund, ein und denselben Fehler nicht immer und immer wieder zu machen. Einem Ideal hinterherzurennen, das, wenn überhaupt, nur ganz ausnahmsweise wirklich Realität wird und dazu nicht mal das eigene ist…
      Ihr, deren Ideal das ist: Macht doch! Fallt jedes mal wieder auf diese alte Märchen von der oder dem „Einen“ herein. Früher war es Gott, den die Leute gesucht haben und für den sie sich immer wieder klein gemacht haben, heute ist es – ganz „rational“ – der Partner fürs Leben.
      Aber spart euch solche entwürdigenden Kommentare.

  6. vonjetztaufgleich

    Toller Artikel, toller Kommentar von Susanne.
    Ich beschäftige mich „unfreiwillig“ seit nunmehr 1 1/2 Jahren mit dem Polyethylen Thema. (Meine Frau hat sich zusätzlich in einen anderen Mann verliebt)
    Klingt ja alles super vernünftig – in der Theorie – alle Definitionsmerkmale stimmen, bis auf den Punkt „es geht allen gut damit“…
    Da wird dann schwierig – vor allem, wenn noch 3 gemeinsame Kinder vorhanden sind…

  7. Steffi

    Vielen Dank für die vielseitige und dennoch nicht erdrückende Betrachtung dieser Thematik. Ich bin selber Poly und lebe in offener Beziehung (neben meiner Familie mit Kindern 😉 Und manchmal kann man einiges nicht richtig in Worte fassen – für sich und insbesondere für andere. Das war hilfreicher Input. Liebe Grüße

  8. Super Artikel 🙂

    aber ein paar Gedanken hätt ich als praktizierende Poly und auch aus meiner Beratungspraxis für offene Beziehungsformen…

    Ich glaube die Eifersucht ist immer der Hauptknackpunkt für alle offenen Beziehungsformen und ich teile total Deine Ansicht, dass die Kommunikation einer der Schlüssel ist, mit denen man verhindern kann, dass sie Beziehungen egal wie sie gestaltet sind, zerstört.

    Für mich sind noch zwei weitere Dinge essentiell – Ehrlichkeit und Empathie.

    Bei Ehrlichkeit mein ich zum einen gegenüber meinem/n Partner/n. Zum anderen aber auch die Ehrlichkeit mir selbst gegenüber. Die finde ich teilweise schwieriger…

    Beispiel: Wenn ich in meinen Beziehungen keine Kompromisse (z.b. bezogen auf meine „Freiheit“) eingehe (stecke ich also selbst weniger hinein), gebe ihnen auch keine Bezeichnung wie „Partnerschaft“ (erklärte Bindung) , habe ich sehr viele Partner parallel (die mich trösten und bestätigen falls einer wegfällt) – schützt man sich vielleicht damit auch teilweise davor verletzt zu werden?

    Oder… man erwartet von dem/n Partner/n, dass sie sich vollständig auf das eigene Bedürfnis nach Freiheit einlassen, keine Eifersucht, Ängste etc. zeigen, aber man selbst kommt dem Bedürfnis des Anderen nach Einzigartigkeit vielleicht auch nicht in ausreichendem Maße nach?

    Empathie bildet die Basis dafür, dass ich verstehe, warum der andere überhaupt eifersüchtig ist. Ich finde es ganz wichtig, das Gefühl an sich nicht nur abzulehnen, sondern wie Du auch schreibst zuzulassen (auch beim Gegenüber), denn ich sehe Eifersucht häufig als Warnsignal dafür, dass auf einer der Seiten die Vertrauensbasis nicht stimmt. Vielleicht fehlen dem/derjenigen gemeinsame Zeit, sie/er fühlt sich austauschbar, frühere Erfahrungen rufen Ängste vor Verlassensein oder Einsamkeit hervor…etc… Alles Dinge auf die man Einfluss hat. Natürlich schränkt der Ausdruck des Gefühls uns zunächst erst einmal ein, aber nur wenn man versucht zu verstehen, woher das kommt (und die Kommunikation auch von der anderen Seite her stimmt und gewollt ist) kann man die Ursachen auch minimieren und damit Vertrauen aufbauen – also ein Beziehungsumfeld in dem sich der andere wohl und sicher fühlen kann. Am Ende sogar soweit, dass er sich „mitfreuen“ kann, wenn man gerade in eine andere Person verliebt ist – wie ich es selbst schon oft erlebt hab 🙂

    Und auch wenn das nie eine 100%ige Sicherheit sein wird, wie Du auch schreibst, brauchen doch die meisten Menschen einen gewissen Teil davon, um sich auf einen anderen Menschen einzulassen. Indem ich mich darum bemühe die Eifersucht gemeinsam mit dem Eifersüchtigen zu bekämpfen und ihn nicht deswegen verlasse, weil mir das alles zu einschränkend ist, kann ich ihm zeigen, dass er etwas besonderes für mich ist und die Bindung zu ihm Bedeutung hat…

    Auch das alles nur aus meiner kleinen Erfahrung – hab von der Weisheit zum Löffeln leider auch nix abbekommen 😉

    Liebe Grüße
    Susann

    1. Flo

      Wow, danke für diesen Beitrag 🙂 Vor allem den Abschnitt

      „Wenn ich in meinen Beziehungen keine Kompromisse (z.b. bezogen auf meine „Freiheit“) eingehe (stecke ich also selbst weniger hinein), gebe ihnen auch keine Bezeichnung wie „Partnerschaft“ (erklärte Bindung) , habe ich sehr viele Partner parallel (die mich trösten und bestätigen falls einer wegfällt) – schützt man sich vielleicht damit auch teilweise davor verletzt zu werden?“

      muss ich mal sacken lassen…

  9. Amos

    Interessanter Artikel, Flo. Mich würde interessieren wie du das Thema unter dem Gesichtspunkt „Familie“ bzw. Kinder beurteilst.

    Liebe Grüße
    Amos

    1. Flo

      Darüber hab ich mir noch gar keine Gedanken gemacht, weils für mich gerade (noch) nicht aktuell ist 🙂

      Prinzipiell brauchen Kinder ja schon Beständigkeit, mit wie vielen Menschen ist aber denk ich egal. Von daher wird das mit der Anarchie hier vermutlich nicht so gut klappen.

      Würde mich freuen wenn jemand sich regt, der/die damit erfahrungen hat 🙂

    2. blumenauseis

      Für uns hier ist das ziemlich klar: Wenn zwei oder mehr Beteiligte entscheiden, zusammen (ein) Kind(er) zu haben, sollte diese Entscheidung möglichst unabhängig vom sonstigen Verlauf und Charakter der Beziehungen sein. Das ist nach meinem Verständnis Grundvoraussetzung dafür, dass diese zukünftige Familie auch dann stabil bleibt, wenn sich die an den zwischenmenschlichen Verhältnissen der anderen etwas ändert. Wenn ich beschließe, dauerhafte Verantwortung für andere Menschen zu übernehmen, muss das über meinen temporären Interessen stehen (meint, ich kann nicht auf einmal keine Lust mehr haben, mich um den Nachwuchs zu kümmern). Da das zwischenmenschliche davon aber ansonsten unberührt bleibt, muss ich mich weder sexuell noch emotional an den anderen Elternteil binden, wenn ich das nicht (mehr) will, mich aber auch nicht im herkömmlichen Sinne „trennen“.
      Von diesem Punkt ausgehend bietet BA sogar mehr Sicherheit für alle Beteiligten.

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