Buddhismus – Teil 1 – Die Gretchenfrage

Die Lotosblume wird in weiten Teilen fernöstlicher Lehren als Symbol für das Erwachen benutzt.

Im Untertitel dieses Blogs ist das Wort Glück enthalten – bisher hab ich aber immer eher über Dinge geschrieben, die ich kritisch sehe. Mit diesem Artikel will ich eine neue Serie starten: Mein persönlicher Weg zu dem, was ich als Glück bezeichne. Ich fange mit dem Themengebiet Buddhismus, Meditation, Spiritualität an – diese sind auch für viele meiner Freunde neu, da ich bisher nicht wirklich darüber gesprochen habe. Lasst euch also überraschen 🙂

Alles auf Anfang

Als vor etwa 10 Jahren Kirchensteuer ein Thema für mich wurde, war ich das erste Mal gezwungen, mir Gedanken über meine „Religion“ zu machen. Ich wollte nicht Mitglied eines Vereins sein, dem ich nie beigetreten bin – außerdem war es billiger, also trat ich aus der (evangelischen) Kirche aus. Dass das (zumindest in Bayern) Geld kostet, finde ich immer noch eine Frechheit, aber das ist ein anderes Thema.

Kurz nachdem ich also ausgetreten war, musste ich bei unserem Pfarrer vorbei, weil ich das örtliche Gemeindezentrum für eine Feier gemietet hatte und den Schlüssel abholen wollte. Als er die Tür aufmachte, fragt er, ob ich nicht erst neulich aus der Kirche ausgetreten sei und warum. Mir fiel nichts besseres ein, als zu antworten „Ich glaube nicht an Gott“. Dieser Satz sollte mich noch einige Zeit beschäftigen.

Bis zu diesem Zeitpunk hatte ich es geschafft, die ganz grundsätzlichen Fragen nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest mit 42 zu beantworten. Aber jetzt rumorte es in mir. Ich bin von Natur aus neugierig, also wollte ich meinem „Glauben“ auf den Grund gehen:

  • Die Bibel fand ich schnell zweifelhaft: Warum sollte, unter allen Büchern, die je geschrieben wurden, genau dieses eine so besondere Bedeutung haben? Außerdem enthält die Bibel viele Stellen von grausamen Bestrafungen und Gewalt. Aus so einem Buch wollte ich nicht meinen Glauben beziehen.
  • Glauben ist kulturabhängig: Wäre ich als Kind jüdischer Eltern geboren, wäre ich wohl Jude, in Indien vermutlich Hindu und wäre ich in Afrika geboren, hätte ich vielleicht eine der Naturreligionen in die Wiege gelegt bekommen. Würde jede*r seinen/ihren Glauben hinterfragen, wären die unterschiedlichen (Nicht-)Religionen statistisch wohl etwa gleichverteilt – unabhängig von Region und Kultur. Dass sie das nicht sind, zeigt mir, dass offensichtlich die Wenigsten den eigenen Glauben ernsthaft hinterfragt haben.
  • Das war auch eine Erklärung für die nächste Auffälligkeit: Warum so viele Menschen um mich herum (inklusive meiner Familie) auf dem Papier christlich waren, aber diese Religion in ihrem Leben so gut wie keine Rolle spielt. Ich war kaum mit meiner Familie in der Kirche, wir haben nie gemeinsam gebetet und Glaube war auch äußerst selten ein Gesprächsthema. Die christliche Gemeinde im Ort kam mir mehr vor wie ein Verein, der zwar Menschen zusammenbringt, aber alle nur Mitglied sind, weil sie es schon immer gewesen sind.

Bei der anschließenden Recherche stieß ich auf zwei Dinge, die mich in meinen Zweifeln bestätigten:

  • das Problem der Theodizee: Wenn es einen allmächtigen Gott gibt, warum ereilt dann auch guten Menschen Leid? Entweder will er das Leid nicht beseitigen, dann ist er bösartig. Oder er kann es nicht, dann ist er nicht Gott.
  • das Allmachtsparadoxon: Kann ein allmächtiger Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn selbst nicht heben kann? Wenn ja, dann ist er nicht allmächtig, denn dann kann er den Stein nicht heben. Wenn nein, ist er auch nicht allmächtig, denn dann kann er diesen Stein nicht erschaffen.

Es gibt zwar für beides unzählige Theorien und Lösungsversuche, aber nichts, was mich überzeugt hätte. Die Vorstellung eines einzigen, allmächtigen Gottes war ab diesem Zeitpunkt für mich Geschichte. Und ist es bis heute.

Von der Sturm-und-Drang-Phase, die sich anschloss, erfahrt ihr morgen!

PS: Wer die Gretchenfrage nicht kennt, sollte mal Faust lesen 😉

Artikel dieser Serie
  1. Buddhismus - Teil 1 - Die Gretchenfrage
  2. Buddhismus - Teil 2 - Fragen über Fragen

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