Buddhismus – Teil 2 – Fragen über Fragen

Sturm und Drang

Ich war also zu dem Schluss gekommen, dass es keinen Gott gibt – ein Atheist. Ich hab diese Einstellung damals auch ziemlich provokant vertreten (ich spiele grundsätzlich gern den advocatus diaboli) und es mir fast mit meiner damaligen Freundin, einer gläubigen Christin, verscherzt. Ich gestand zwar weiterhin allen Menschen ihren persönlichen Glauben zu, aber liebte es, den Gottesglauben anderer z.B. in sozialen Netzwerken lächerlich zu machen. Doch dann kamen zwei Ereignisse, die meinen weiteren Weg bestimmen sollten.

Ist dein Rot das Selbe wie meins?

Auf der Museumsnacht in Coburg im Jahre 2009 besuchten wir eine katholische Kirche. Wir waren zu viert dort und die drei anderen stellten sich wie selbstverständlich für eine kurze Andacht in die Reihe. Ich war in diesem Moment entsetzlich neidisch, fehlte mir doch der Halt, den die anderen in ihrem Glauben hatten. Ich konnte keine „romantische“ Vorstellung eines liebenden Gottes haben, sehnte mich aber trotzdem nach dessen Halt im Leben. Diese Ambivalenz traf mich wie ein Schlag. Ich war nicht mehr in der Lage, den Abend zu genießen.

Aber natürlich wollte ich Urteile über die Welt weiterhin nur streng rational fällen. Auf einige Fragen fand ich aber keine solche rationale Antwort.

  • Was ist eigentlich rational? Wirklichkeit entsteht doch nur im Kopf.
  • Wer sagt mir, dass die Dinge, die ich um mich herum wahrnehme, wirklich existieren? Ich erfahre sie ja nur aus zweiter Hand, mein Gehirn setzt das Bild der Außenwelt aus den Sinneseindrücken zusammen.
  • Woher kommt unser Bewusstsein, das ja notwendig ist, um Dinge zu beschreiben?
  • Warum sollen Dinge für alle gleich gelten? Ist dein Rot das selbe wie meins?
  • Wer sagt mir, dass nicht alle anderen Menschen Roboter sind und ich Teil eines riesigen Experiments von Außerirdischen bin? (hier sei auf Die Truman Show verwiesen)
  • Warum ist es nicht (zumindest nicht so einfach) möglich, nicht zu denken? Woher kommt die Stimme in meinem Kopf?

In mir wuchs die Erkenntnis, dass der menschliche Verstand unmöglich alles begreifen kann. Ich suchte Antworten auf diese Fragen – und auf Fragen, die ich selbst nicht kannte.

Ein Weg ohne Gott

Mein guter Freund Marcel empfahl mir zu genau dieser Zeit das Buch Mit Buddha das Leben meistern – Buddhismus für Praktiker (ich lese es gerade zum dritten Mal, weil ich es so gut finde!) In dem Buch werden Grundzüge buddhistischer Lehren aufgezeigt. Das erste Mal wurde ich mit einem Lehrgebäude konfrontiert, das ohne Dogmen auskam, sondern sich ganz auf Erfahrung und für jeden Menschen verständliche Tatsachen stützte. Mein Lieblingszitat ist immer noch Folgendes:

Glaubt nicht dem Hörensagen und heiligen Überlieferungen, nicht Vermutungen oder eingewurzelten Anschauungen, auch nicht den Worten eines verehrten Meisters; sondern was ihr selbst gründlich geprüft und als euch selbst und anderen zum Wohle dienend erkannt habt, das nehmt an.

Es stammt von Siddhartha Gautama – der erste Buddha, was übersetzt Erwachter bedeutet. Ich war angefixt, von dieser „Religion“, die ganz ohne Gott aus kam. Vielleicht auch, weil ich mich ein bisschen mit ihm identifizieren konnte. Ich habe schnell mehr über sein Leben gelesen und zwar in dem Buch Wie Siddhartha zum Buddha wurde vom vietnamesischen Mönch Thich Nhat Hanh. Auch dieser faszinierte mich als vertreter des engagierten Buddhismus sofort und ist heute noch der einzige Mensch, den ich als „Vorbild“ bezeichnen könnte:

Unter anderem spricht er sich für vegetarische Ernährung, erneuerbare Energien, Recycling, und generell einen möglichst sparsamen Konsum (auch z. B. weitgehenden Verzicht aufs Autofahren oder auf Fernreisen) aus.

Beide Bücher kann ich jede*m nur empfehlen, ich verleihe sie auch gern 🙂 Wie diese Fragen dort beantwortet wurden und wie es mit mir weiter ging, das erzähl ich euch im nächsten Teil!

 

 

Artikel dieser Serie
  1. Buddhismus - Teil 1 - Die Gretchenfrage
  2. Buddhismus - Teil 2 - Fragen über Fragen

3 thoughts on “Buddhismus – Teil 2 – Fragen über Fragen

  1. Nathalie

    Sehr gute Gedanken, die ich mir auch schon gemacht habe.
    Wieso sollte genau meine Religion, in die ich hineingeboren wurde die richtige sein, wieso sollte Gott all das Leid geschehen lassen…

    Ich finde den Buddhismus persönlich auch am ansprechensten, da er sich auch mit dem persönlichen Glück befasst und darum bittet alles zu hinter fragen…

    1. Flo

      „Den Buddhismus“ gibts leider nicht, das werd ich im nächsten Artikel noch schreiben… Aber ich hätte ja nicht das schreiben angefangen, wenn ich nicht zumindest „meinen Buddhismus“ gefunden hätte 😉

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